Ein Leben im Exil – Uiguren in München

München ist uigurisch – jedenfalls uigurischer als der Rest Deutschlands. Denn München ist nicht nur Sitz des bayerischen Landtags, sondern auch des Weltkongresses der Uiguren. Ungefähr 500 der 600 in Deutschland lebenden Uiguren wohnen in München. Das hat historische Gründe: Der internationale Radiosender „Radio Liberty“ mit Sitz in München bot in den siebziger Jahren ein uigurischsprachiges Programm. Die dafür verantwortlichen Uiguren zogen nach und nach mehr Freunde und Verwandte an. Sie haben dafür gesorgt, dass sich hier eine Exilkultur etabliert hat.



Zum Teil können sie ihre uigurische Tradition mindestens so gut aufrecht erhalten wie in China. Umut Saki, 24, der Stiefsohn von Alim Ruzi, sagt: „Bis ich hier her gekommen bin, wusste ich nicht, dass es unser eigenes Land gibt. Denn in der Schule und überhaupt in China darf man nicht über das eigene Land sprechen. Die meisten, die jetzt drüben leben, wissen nicht, dass wir ein eigenes Land haben. Die Leute, die ausgewandert sind, wissen mehr als die, die drüben leben.“

Die Uiguren haben keinen eigenen Staat. Seit 1949 ist „Uiguristan“ ein Teil Chinas. Die entsprechende Provinz im Nordosten des Landes heißt Xinjiang. Die Uiguren beanspruchen einen Teil dieser Region für sich und nennen sie „Ostturkestan“. Immer wieder kommt es zu Gewalt zwischen Han-Chinesen und Uiguren. Gelegentlich zeigen sich die Spannungen zwischen den Ethnien auch in München, etwa durch Demonstrationen.

Xinjiang

Kulturell haben Uiguren und Chinesen wenig Gemeinsamkeiten: Uiguren sind mehrheitlich Muslime; ethnisch sie sind näher mit anderen Turkvölkern wie Kasachen, Usbeken, Turkmenen und Aserbaidschanern verwandt als mit Chinesen, und sie sprechen eine alte Form von Türkisch. Viele in Deutschland lebende Uiguren sind vielsprachig: uigurisch sprechen sie zu Hause, deutsch lernen sie in der Schule, türkisch bei der Arbeit.

So ist es auch bei Umut. Sein Stiefvater Alim Ruzi kam in den Neunziger Jahren als Flüchtling nach langer Odysee nach Deutschland. Kürzlich hat er ein eigenes uigurisches Restaurant eröffnet. Von Montag bis Samstag und von sieben bis 22 Uhr stehen Stiefvater, Stiefsohn und dessen Mutter im Laden. In Sendling an der Ecke Spitzwegstraße/Pfeuferstraße gibt es traditionelle Speisen.

Die Spezialität des Hauses heißt „Lakman“: frische Nudeln, von Frau Saki selbst gemacht. Sieht so spannend aus, wie es lecker schmeckt:

Wenn Sie selber wissen wollen, wie das schmeckt, schauen Sie vorbei im „Atusch Uyghur Imbiss“: