Christiane Vidacovich „Die Tanten vom Viktualienmarkt“

131_klAls ihre Mutter starb, nahmen sich die zwei Tanten dem 12-jährigen Mädchen an, beide waren in den 50er Jahren Händlerinnen auf dem Viktualienmarkt. Tante Anni hatte in der Nähe der Heilig-Geist-Kirche einen Blumenstandl. Die kleine Waise Christiane V. war vormittags in der Schule und am Nachmittalg lebte sie auf dem Viktualienmarkt. Hier erzählt sie ihre Geschichte.

von Sarah M. Goetz

Als Christiane V. das zwölfte Lebensjahr erreichte, nahm sich ihre Mutter das Leben. Anfangs wurde sie unter den verschiedenen Familienmitglieder herum gereicht, wie ein überflüssiges Möbelstück, dass niemand wollte.

Niemand wollte sie, überall störte sie.


Ein beißender, übelriechender Geruch stieg ihr in die Nase. Sie stieg die Treppen weiter hinauf, immer weiter, bis an die Wohnungstür. Sie öffnete sie, trat hinein und was sie da sah….sie erinnerte sich daran, als wäre es gestern gewesen. Ihre Mutter lag leblos, blau, mit geöffneten Mund im Schlafzimmer.

 

Ihre zwei Tanten, Händlerinnen vom Viktualienmarkt, hatten sich ihrer angenommen. Ihre Tante Anni hatte in der Nähe der Heilig-Geist-Kirche einen Blumenstandl. Viel Geld brachte dieser nicht, aber es reichte zum Leben. Die kleine Waise verbrachte vormittags die Zeit in der Schule, nachmittags half sie ihren Tanten. Sie verkaufte Blumen.

Sie war gerne auf dem Viktualienmarkt und es machte ihr Spaß, ihren Tanten zu helfen. Sie gaben sich Mühe, doch in Wirklichkeit war Sie auf mich alleine gestellt.

 

Interview mit Christiane Vidacovich (Video)

Heute ist alles anders. Hier auf dem Viktualienmarkt hat sich viel verändert (Audio-Slide-Show)

Der Viktualienmarkt